Die zweite Botschaft am leeren Grab

Überliefert ist, der Engel vor der leeren Grabstatt
habe ostermorgens zu Maria Magdalena und den
Jüngerinnen Jesu von der Auferstehung ihres Herrn
gesprochen – mit dem Auftrag, dies den Jüngern zu verkünden.
Als diese mit eigenen Augen es sahen,
da glaubten sie’s endlich:
Er lebt!

Überliefert ist jedoch noch nicht die zweite Botschaft,
die der Engel ostermorgens den Apostolinnen sagte:
All die Amts- und Titelträger, die Begabung,
zu verkündigen, zu leiten und zu heiligen,
missachten, nur weil die Begabten keine Männer sind,
werden sich hierfür vorm göttlichen Richter
verantworten müssen.

Diese zweite Botschaft wollten die Apostel damals zwar noch glauben,
doch sie war wohl weiter nicht gesellschaftsfähig,
wurde tot-geschwiegen.
Am Morgen des dritten Jahrtausends
entdeckten die Frauen:
Sie lebt!

Die Frauen gingen zu den Kirchenmännern, sagten es
den Priestern, jedem Bischof, auch dem Papst.
Und diese…

VERSION (A):

… glaubten’s nicht und trauten sich noch nicht einmal, sich selbst
vom Offensichtlichen zu überzeugen. Schließlich kann nicht sein,
was scheinbar nicht sein darf.
Sie erschraken sehr am Jüngsten Tag.

VERSION (B):

… glaubten es und handelten danach. Sie taten Buße, dass es
eine Freude war. Die Menschen waren recht erstaunt, doch voller Glück,
denn Christus wurde beinah neugeboren für die Welt:
Das Angesicht der Kirche wurde menschlicher
und damit ebenbildlicher zu Gott.
Die himmlischen Scharen frohlockten.

© rmi

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